Thüringer Erklärung zur Lehrergesundheit

 

Erfurt, 14.03.05

 

+++ Beschluss des Landesvorstands des tlv thüringer lehrerverband in Auswertung des 3. Thüringer Lehrertages +++

 

Der 3. Thüringer Lehrertag des tlv hatte sich am vergangenen Freitag unter anderem mit den Ergebnissen der viel beachteten Potsdamer Lehrerbelastungsstudie von Prof. Dr. Uwe Schaarschmidt (Universität Potsdam) beschäftigt, der selbst das erste Hauptreferat hielt.

 

Die Lehrergesundheit ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die von der Gesellschaft eingeforderte Qualitätsentwicklung von Bildung. Darauf war Prof. Dr. Bernhard Sieland (Universität Lüneburg) im 2. Hauptreferat eingegangen.

 

Mit den dargestellten wissenschaftlichen Erkenntnissen wurde nicht nur ein Zustand beschrieben, sondern Wege zu einer stärkeren Förderung der Lehrergesundheit aufgezeigt, die vor allem den Schülerinnen und Schülern sowie dem Bildungswesen insgesamt zugute kommen.

 

Staatssekretär Eberhardt (TKM) hatte in seinem Grußwort vor den etwa 250 Teilnehmern die Notwendigkeit der Beachtung des Themas Lehrergesundheit in der täglichen Arbeit der Schulen grundsätzlich anerkannt. Der tlv Landesvorsitzende, Rolf Busch, unterstrich in seinen Ausführungen, dass nur gesunde Pädagogen gute Pädagogen sind und es hierzu eines entsprechenden Handlungskonzepts bedarf.

 

Mit der vom tlv Landesvorstand am Wochenende verabschiedeten „Thüringer Erklärung zur Lehrergesundheit“ werden fünf Hauptforderungen als Ergebnis des 3. Thüringer Lehrertages formuliert und der Öffentlichkeit vorgestellt:

  1. Wir appellieren an Politik und Gesellschaft, das Ansehen pädagogischer Berufe zu schützen, damit ausreichend motivierter Nachwuchs gewonnen werden kann.
  2. Pädagogen sind von allem zu entlasten, was das „Kerngeschäft Schule“ belastet. Durch Schülerrückgang freiwerdende Ressourcen im Schulbereich müssen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen (Klassenfrequenz, Unterrichtsentlastung, ...) pädagogisch sinnvoll eingesetzt werden. Wir fordern angemessene Zeit und Raum für Schulentwicklung. Kontinuität und Stabilität in der Arbeit der Pädagogen müssen im Mittelpunkt stehen.
  3. Wir fordern ein gerechtes Arbeitszeitmodell, das nicht nur den Unterricht, sondern auch schulbezogene Tätigkeiten außerhalb des Unterrichts einbezieht. Wir brauchen günstigere Arbeitsbedingungen und gezielte Maßnahmen des Arbeitsschutzes.
  4. Wir fordern eine gezielte und an den pädagogisch-psychologischen Anforderungen der Praxis orientierte Ausbildung für Pädagogen, die eine frühzeitige Feststellung der Eignung beinhaltet. Berufsanfänger müssen in den ersten Jahren durch erfahrene Pädagogen begleitet werden. Wir brauchen Fortbildungen, die es den Pädagogen ermöglichen, die Berufsbelastungen besser zu bewältigen.
  5. Wir fordern, Lehrergesundheit als zentrale Führungsaufgabe zu begreifen. Es müssen Modelle entwickelt werden, die der nachlassenden Belastungsfähigkeit vor allem lebensälterer Pädagogen Rechnung tragen. Entlastungsmodelle dürfen nicht zum sozialen Abstieg führen und müssen von Pädagogen aller Schularten genutzt werden können.

"Thüringer Erklärung zur Lehrergesundheit" - vollständiger Text

 



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