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Kompetenznetzwerk Schule


21/04 2006:
Gentzel: Prävention ist das A und O

Landesregierung soll zum Thema Gewalt an Thüringer Schulen umfassend Auskunft geben

 

Eine Stellungnahme der Landesregierung zum Thema Gewalt an Thüringer Schulen fordert Heiko Gentzel. In seiner umfangreichen parlamentarischen Anfrage verweist der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Zusammenhang mit den Ereignissen an der Rütli-Hauptschule in Berlin darauf, dass am Schulleben Beteiligte behaupten, Gewalt gehöre inzwischen zum Alltag von Schülern und Lehrern.

Der Lehrerverband hatte zudem festgestellt, dass es in Thüringen tendenziell ähnliche Vorfälle gebe wie an den Berliner Schulen. "Gewaltprävention ist das A und O. Sie setzt ein Problembewusstsein voraus, das auf genaueren Erkenntnissen basieren muss", so Gentzel.

Er will von der Landesregierung wissen, welche Formen von Gewalt an Thüringer Schulen auftreten und verbreitet diese sind. Außerdem:

 

Welche Altersgruppen sind besonders betroffen und in welchem Umfang wird in den verschiedenen Gruppen Gewalt ausgeübt?

Wie viele Schüler sind polizeilich registriert und an wie vielen Delikten waren sie beteiligt?

Ist Gewalt an bestimmten Schultypen besonders verbreitet und wie stark sind die Unterschiede?

 

Die Landesregierung soll erläutern, wie sie die Entwicklung der Gewaltbelastung an Thüringer Schulen insgesamt bewertet und welche Untersuchungen dazu vorliegen. Zudem soll die Regierung ihre Sicht zu den Ursachen für Gewalt an Thüringer Schulen darlegen.

Für Gentzel ist außerdem wichtig:

 

Gehören Extremismus und Fremdenfeindlichkeit zu den Ursachen von Gewalt an Thüringer Schulen und welche Rolle spielt dabei die Artikulierung politisch extremer Ansichten?

Welche Präventionsangebote die Thüringer Polizei anbietet und wie die Forderung des Thüringer Lehrerverbandes nach einer engeren Zusammenarbeit zwischen Schulen und Polizei und nach mehr Präventionsangeboten bewertet wird, sollen ebenfalls geklärt werden.

 

Marion Wolf

Pressesprecherin


21/04 2006:
Baustelle Schule? Mit Zucht und Ordnung zum Erfolg?

 

Lehrer, die Polizeischutz beantragen, Kinder, die vor Mitschülern Todesangst haben, Schülerhandys mit Gewalt- und Pornovideos?

 

Schreckensnachrichten aus deutschen Großstadtschulen. Doch jetzt schockiert auch Thüringer Eltern die Meldung von einer versuchten Vergewaltigung in einer Geraer Schule.

 

Was ist los an unseren Schulen? Sind die Lehrer desinteressiert oder hilflos?

 

Eine Umfrage des Thüringer Lehrerverbandes unter 5.000 Kollegen ergab,dass die Pädagogen zunehmend unter Stresssymptomen leiden und sich ausgebrannt fühlen. Sie klagen über Überstunden und fachfremder Einsetzung aber auch über  undisziplinierte Schüler und über Eltern, die ihrem Erziehungsauftrag schon lange nicht mehr nachkommen.

 

Wer ist schuld an mangelnder Disziplin der Schüler?

Wie reagieren verantwortliche Politiker und Schulleiter?

Was kann die Schuljugendarbeit leisten?

 

Diese und andere Fragen diskutieren der Thüringer Kultusminister Professor Jens Goebel, der Schulleiter der Weimarer Herderschule, Peter Boide, der Kreiselternsprecher für die Gymnasien in Erfurt, Bernd Sprechert, und der Schüler Robert Zedlitz vom Goethegymnasium in Ilmenau.

 

Sendetermin: Erfurter Gespräch am 24.04.06 um 22:05 Uhr im mdr


Kommentar in der "Thüringen Allgemeine" vom 31.03.06

 

Alarmsignal

 

Gewalt in der Schule? Eigentlich ist das Ganze ein Berliner Problem. Zumindest wenn man die strengen Maßstäbe des reformierten Föderalismus anlegt, soll Bildung reine Ländersache sein.

 

Doch die Rütli-Schule liegt nicht nur in Berlin, sondern in Deutschland. So war es auch im Fall des Erfurter Gutenberg-Gymnasiums. Obwohl die Dimensionen keineswegs zu vergleichen sind.

 

Szenen brutaler Gewalt auf Handys. Das Drangsalieren von Mitschülern. Die massive Bedrohung von Lehrern. Das alles ist kein Einzelfall. Schwache schulische Leistungen, geringes Selbstwertgefühl, Perspektivlosigkeit und Cli-quen-Denken führen nicht selten zu Auswüchsen, wie sie jetzt in Berlin beklagt werden. Einzelne verschaffen sich durch ihr rabiates Verhalten bei ihren Mitschülern jene Anerkennung, die ihnen bei Lehrern und Eltern versagt bleibt.

 

Der Hilferuf der Pädagogen der Rütli-Schule ist vor allem ein Alarmsignal an die Politik.

 

Daraufhin das Gebäude unter Polizeischutz zu stellen, mag fürs Erste eine gewisse Wirkung zeigen. Mehr aber auch nicht. Bildung und Erziehung brauchen einen höheren Stellenwert, bereits im Kindergartenalter. Es macht wenig Sinn, darüber nur schöne Reden zu halten. Vor allem muss mehr dafür getan werden, so genannte Problemschüler zu integrieren.

 

Auch in Thüringen. Es ist ein Trugschluss zu glauben, nur weil der Ausländeranteil gering sei, habe man mit kleineren Problemen zu tun. Jederzeit kann auch hier das Ganze aus dem Ruder laufen, falls nicht rechtzeitig gehandelt wird.

 

Von Manfred MAAHS

 


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Letzte Änderung: 13.08.2009 RSS    | Seite empfehlen | Druckansicht | pdf-Ansicht | Impressum