04/05 2007: Staunen in Eisenberg
Zugehört im Seminar für Lehrer: "Stress-Situationen und deren Bewältigung im Lehrer-Alltag"
Von OTZ-Redakteurin Claudia Bioly Eisenberg.
Stress-Situationen und wie Lehrer sie bewältigen können, das war das Thema eines Fortbildungsseminars am Mittwochnachmittag in Eisenberg. Der Thüringer Lehrerverband (TLV) hatte dazu eingeladen. Im Friedrich-Schiller-Gymnasium konnte
Hans-Jürgen Schmidt, Vorsitzender des TLV-Kreisverbands Eisenberg, Pädagogen aus dem gesamten Schulamtsbereich Stadtroda und von allen Schulformen - Grund- und Regelschule, Gymnasium, Förderzentrum, Berufsschule - begrüßen. Das Seminar, das als Fortbildungsveranstaltung für Lehrer anerkannt ist, wurde bereits mit großer Resonanz in anderen Städten Thüringens durchgeführt, und auch die Teilnehmer in Eisenberg nahmen viele neue Erkenntnisse und nützliche Anregungen mit.
"Lehrer und Stress" - das ist oft ein Thema für Klischees und Witzeleien. In der Realität aber ein ernstes Problem. Bei einer Studie zur Lehrergesundheit haben sich im Bereich des Schulamtes Stadtroda 648 Lehrer beteiligt, berichtete eingangs Hans- Jürgen Schmidt. "Das erschreckende Ergebnis: 67 Prozent der Lehrer gehören zur Risikogruppe - sie haben entweder schon gesundheitliche Probleme oder müssen perspektivisch damit rechnen." Stress spiele dabei eine große und sehr negative Rolle. Der TLV wolle etwas zur Lehrergesundheit tun, erklärte Schmidt zum Anlass des Seminars.
Referent Dr. Wilhelm Ambold, freier Dozent aus Schwerborn bei Erfurt, stieg in das Thema ein mit der Schilderung, wie er schon bei der Anreise Stress vermieden habe und dann fasziniert vor dem beeindruckenden Gymnasiumsgebäude stand: "So etwas sah ich noch nie." In sein Tagebuch, das er seit 25 Jahren führt, wollte er für Mittwoch eintragen: "Das Staunen von Eisenberg".
Im Seminar beleuchtete Dr. Ambold das Thema Stress von verschiedenen Seiten. Er erläuterte Vorgänge im Hirn und im Körper des Menschen (Wie entsteht Stress? Was löst er aus? Wie kann man den negativen Folgen entgegenwirken?), er sprach über Dopamin, Serotonin, Endorphine und über die gesundheitlichen Risiken, die Stress verursacht. Ob er mit Hilfe des Eisenberger Lehrers Heiko Ortner das "Belohnungssystem" erläuterte, nach dem das Gehirn arbeitet (Herr Ortner verdiente sich mehrere 10-Cent-Stücke!) oder mittels Spielzeugtieren positiven Stress als notwendigen biologischen Mechanismus beschrieb - alles wurde sehr anschaulich rübergebracht, gewürzt mit alltäglichen Beispielen und Anekdoten.
Dabei streute er Tipps ein, wie man (negativen) Stress vermeidet, Stresssituationen bewältigt oder Dauerstress verhindert.
Manches war dabei, was man schonmal gehört hatte oder auch für selbstverständlich hält, im Alltag aber oft missachtet.
"Gnothi seauton" - Erkenne dich selbst". "Meden agan" - Niemals zuviel. "Fordere von dir selbst viel und erwarte wenig von anderen, so bleibt dir mancher Ärger erspart" - Konfuzius. Öfter mal Zeit für sich selbst nehmen. Sich in Gelassenheit üben - es sind nicht die großen Dinge, sondern die vielen kleinen Nadelstiche des Tages, die Stress aufbauen. Vieles ist eine Frage der Einstellung. Manche Dinge nicht an sich "ran zu lassen", auch das kann man lernen. Nicht gut ist: Ärger hineinfressen. Gut ist: Abreagieren. Noch besser: Die Situation vorher entspannen.
Bewegung ist wichtig. Eine Anhöhe erklimmen, den freien Blick auf die Natur genießen, zum Beispiel. Abschalten lernen. Bewusst die Körperhaltung verändern. Progressive Muskelan- und -entspannung. Das wurde dann auch gleich ein wenig geübt. Strecken, dehnen, aufrichten. An etwas Schönes denken. Sonne tanken, denn auch Licht ist wichtig für den Körper. Ausreichend trinken, selbst das gehört dazu. Entspannungstipps für alle Sinne und andere Ratschläge hatte der Dozent parat.
Das Feedback auf die Veranstaltung war durchweg positiv, sagte Heiko Ortner, der sie als stellvertretender TLV-Kreisvorsitzender mit initiiert hatte. Jetzt will man in Eisenberg versuchen, Dr. Ambold für den Weiterbildungstag zum nächsten Schuljahresanfang zu gewinnen.
19.04.2007
 21/04 2007: Die Lehrer beklagen Hetzjagd und Bürokratie
Debatte über Belastungen eines Berufsstandes und Aufgaben der Gesellschaft
VON THOMAS SCHWÄMMLEIN
SONNEBERG – „Ticken Lehrer anders als der Rest der Bevölkerung?“ Diese Frage stellten Unabhängiger Lehrerverband Sonneberg und Freies Wort am Donnerstag im Sitzungssaal des Sonneberger Rathauses. Rund 55 Gäste waren der Einladung gefolgt, um über berufliche Belastungen der Lehrerschaft zu diskutieren.
Die Forderung von Lehrer aus dem Landkreis nach Arbeitszimmern in der Schule aufgrund der Kappung der steuerlichen Absetzbarkeit des heimischen Arbeitszimmers war vor einigen Wochen Thema im Kreistag (Freies Wort berichtete). Die Lehrer ernteten zum Teil sehr heftige Reaktionen seitens der Kommunalpolitiker und der Bevölkerung. „Aber, erstmals haben sich Lehrer überhaupt zu Wort gemeldet, um über ihre Arbeitsbedingungen zu reden“, bemerkte Freies-Wort-Redaktionsleiterin Martina Hunka, die die Diskussion im Rathaussaal leitete.
Und die Frage nach Belastungen unter der Lehrerschaft sind berechtigt. „Lehrer stehen ständig im sozialen und kommunikativen Bereich und das ist nicht zu unterschätzen“, bemerkte Wilhelm Ambold, freier Dozent für Gesundheitsberatung aus Schwerborn bei Erfurt. Ambold kam nach einem Klaviervortrag der Musikschülerin Miriam Gleichmann die Aufgabe zu, über Belastungen zu sprechen, denen Lehrer, aber auch viele andere Menschen ausgesetzt sind. Er sprach über Belastungen, die zu negativen Stress führen und zeigte Wege auf, die da hinaushelfen könnten. Sehr plastisch zeigte Ambold, wie Stress entsteht, wie er in die richtige Richtung gelenkt werden, aber auch, wie er sich destruktiv auswirken kann. Zwar haben dann manche der Gäste etwas gelächelt, als Ambold seine Zuhörer zu Dehnungsübungen aufforderte, aber mitgemacht haben sie dann doch fast alle – und stellten fest, dass das auch gut tun kann.
Was ist wichtig?
Was aber hat das mit den Lehrern zu tun? Auf den ersten Blick erst einmal wenig, bei näheren Hinsehen doch ziemlich viel. Das permanente Sicheinstellenmüssen auf den Schüler, auf wechselnde Charaktere sieht Ambold als einen wesentlichen Stressfaktor an. Seine Empfehlung lautete, auch Lehrer brauchen Zeit zum Abschalten, zum regenerieren.
Die Realität sieht anders aus, denn für das Abschalten zwischen den Unterrichtsstunden bliebe kaum noch Raum, bemängelten einige der Lehrer in der Diskussion. Es sei nicht der Unterricht und die Arbeit mit den Schülern, es sei das viele „Drumherum“, dass die Lehrer belaste, meinte Gerd Maier vom Lehrerverband. Die Lehrer wollen Lehrer sein und sehr viele unter ihnen sehen ihren Beruf als Berufung an. „Lehrer ist ein wunderschöner Beruf, nur leider lässt man ihn uns nicht mehr ausüben“, sagte Hans-Jürgen Lau, Lehrer aus dem Landkreis Hildburghausen. Immer mehr Bürokratie komme auf den Lehrer zu, immer mehr Aufgaben, die nichts mit dem Bildungsauftrag zu tun hätten würden ihnen aufgebürdet.
Was Lau für die Situation im Nachbarlandkreis feststellte, das ist im Landkreis Sonneberg nicht anders. Giesela Roß, Lehrerin am Sonneberger Gymnasium, konnte ihrem Kollegen Lau nur zustimmen. „Durch die Zusammenlegung der beiden Gymnasien hat man eigentlich nur ein Schulleitergehalt eingespart“, bemerkte sie. Dafür müssten die Lehrer immer mehr zwischen den einzelnen Schulgebäuden hin- und herwandern und nachdem man nun auch die Zahl der Schulsachbearbeiterinnen, der Sekretärinnen, reduzieren wolle, sei in einem der drei Schulstandorte kein Ansprechpartner für Schüler und andere Personen mehr da. „Das sollen jetzt alles die Lehrer machen“, sagte Roß. Dass es auch anders gehe, zeige sich in Frankreich, bemerkte Traudel Garg, selbst bis vor kurzer Zeit noch Lehrerin und zugleich Kommunalpolitikerin. Dort gebe es eben auch Personal für die vielen anderen Aufgaben, dort gebe es jemanden für die Hofaufsicht und dort sei Ganztagsschule kein Unthema.
Auf die Frage von Moderatorin Hunka, was die Lehrer denn von den Politikern erwarten, bemerkte Jaqueline Truckenbrodt: „Schiebt uns nicht wie Schachfiguren hin und her.“ Durch die permanenten Veränderungen der Schulstrukturen, könnten kaum noch Bindungen zwischen Lehrern und Schülern entstehen. Wie ein „gehetztes Tier“ eilten die Lehrer zwischen Schulstandort hin und her. Am Ende bleibe der Schüler auf der Strecke. Sie habe den Eindruck, nicht das Kind, sondern das Geld stehe im Mittelpunkt der Schulstruktur. „Stellt endlich wieder das Kind in den Mittelpunkt“, lautete ihr Appell.
Was kann Politik tun?
Willfried Luther, Schulleiter einer Regelschule in Sonneberg und ehrenamtlicher Beigeordneter der Landrätin, sah indessen die Diskussion nicht für zielführend an. „Es nutzt mit Sicherheit nichts, uns zu bemitleiden“, bemerkte er. Mit Blick auf die bewusste Kreistagssitzung bemerkte er, dass von Desinteresse seitens der Kommunalpolitik keine Rede sein könne. Die angesprochene Problematik – das Kappen der Steuerfreiheit für die privaten Arbeitszimmer der Lehrer – sei Sache der Bundesgesetzgebung. Der Landkreis werde nach Haushaltslage die Arbeitsbedingungen in den Schulen verbessern und dem werde sich kein Kreistagsmitglied verschließen.
„Warum nennen wir nicht Ross und Reiter“, meldete sich Bernd Höllein, selbst über Jahrzehnte als Lehrer tätig und heute noch als Kommunalpolitiker für die SPD aktiv. Viel könne man über die Schulnetzplanung und über die Möglichkeiten des Kreistages debattieren, die Fehler würden doch aber ganz woanders gemacht. „Das was wir bemängeln, das ist das Resultat der verfehlten Schulpolitik der Thüringer Landespolitik“, meinte Höllein.
„Die Leistungen des Kultusministeriums verleitet uns nicht gerade zu Jubelstürmen“, bemerkte der Sonneberger SPD-Landtagsabgeordneter David Eckardt.
Ticken Lehrer aber nun tatsächlich anders? „Ja wir ticken anders“, sagte Lehrerin Jaqueline Truckenbrodt und ergänzte: „Ja, wir ticken anders, weil wir die altdenkenden Menschen sind, die den Schülern jeden Tag beibringen, dass man frühmorgens einen „Guten Morgen“ wünscht, dass man „Bitte“ und „Danke“ sagt. Ganz normale Anstandsregeln fordern wir ein.“
Im Saal fand diese Äußerung viel Zustimmung. Ein ziemlich verzerrtes Lehrerbild in der Öffentlichkeit konstatierte Helmut Liebermann vom Lehrerverband, dass er mit dem zynischen Begriff „hochbezahlter Halbtagsjobber“ auf den Punkt brachte. Mit Blick auf die zahlreichen Zusatzaufgaben, die auf die Lehrer einstürmen, bemerkte er: „Es reicht, irgendwo gibt es einen Schlussstrich.“
Er sah indessen nicht ein Problem zwischen Lehrern und Politik. „Wir haben ein Problem in unserer ganzen Gesellschaft“, so Liebermann, „aber die Lehrer können nicht alleine die Probleme der gesamten Gesellschaft lösen.“
Die Lösung liegt für Referent Ambold in der Kooperation – und da könne eine Diskussion, wie an diesem Abend im Sonneberger Rathaussaal auch weiterhelfen.
 23/05 2006: TLZ Jena: Ein Viertel der Lehrer: wie ausgebrannt
Jena. (tlz) 300 der 1300 Jenaer Lehrer haben sich an der landesweit angebotenen Umfrage des Thüringer Lehrerverbandes (TLV) zur Gesundheit von Pädagogen beteiligt. Repräsentativität berge dieser Zahlenwert also sehr wohl, sagte gestern Jenas ehrenamtliche TLV-Kreisvorsitzende Adriane Pache, die selbst als Deutsch/Geschichte-Lehrerin am 2. Förderzentrum in Jena arbeitet. Im Herbst 2005 war den Lehrern angeboten worden, freiwillig Fragebögen zur eigenen Typologie, zum Arbeitstag, zur eigenen Belastbarkeit zu beantworten.
Derzeit werden die vom Institut für Psychologie der Uni Potsdam erstellten Auswertungen in codierten Briefen zurückgesandt; jeder Kollege kann sein persönliches Belastungsmuster studieren.
In Jena hatten sich fast alle Gymnasien beteiligt, alle Förderschulen, bis auf Jenaplan alle Regelschulen, aber nur die Hälfte der Grundschulen.
Für die Jenaer Kollegen lässt sich mit Blick auf eine vierteilige Skala von Verhaltens- und Erlebensmustern resümieren: 25 Prozent der Befragten leiden unterm "Burn out"-Syndrom; 37 Prozent fallen in das ebenfalls kritische Segment der Selbstüberforderung; wiederum 20 Prozent laufen unter "selbstverordnete Schonhaltung", und weitere 19 Prozent der Lehrer gelten als gesund, wie sie die Balance zwischen starkem Engagement und Selbsterhaltung finden. Der Wert der "Gesunden" stellt nach Adriane Paches Beschreibung einen Spitzenwert im Vergleich der Thüringer Schulämter dar, während Jenas Lehrer selbst bei der Summierung der beiden kritischen Bereiche nicht ganz so dramatisch hohe Werte zu verzeichnen haben wie Kollegen andernorts.
Der gute Schulleiter
Bemerkenswert auch dies: Auf die Frage, ob man glaube, den Lehrerberuf bis zur Rente ausüben zu können?, anworteten 26 Prozent der Jenaer Kollegen mit Nein, während der Wert in allen anderen Schulämtern über 30 lag. Ihr Ja gaben 23 Prozent hiesiger Lehrer, während andernorts die Ja-Anteile zwischen 11 und 17 Prozent pendeln.
Wie Adriane Pache berichtete, gibt es aber Trends, die thüringenweit keine Unterschiede bergen. Die meisten in Teilzeit tätigen Kollegen etwa würden sich in ihrem subjektiven Empfinden trotz offiziell geringerer Zahl an Schulstunden mehr belastet fühlen. "Das Mehr an Freizeit wird so nicht empfunden." Oder: Bei der Frage nach den zehn wichtigsten günstigen Bedingungen rangiert die verständnisvolle Schulleitung klar auf Rang 1. Daraus erwachse für Politik und Schulverwaltung die Aufgabe, sich auf den altersbedingt nahenden Wechsel von thüringenweit 400 Schulleitern in den nächsten Jahren vorzubereiten. Was aber Adriane Pache an der Studie grundlegend wichtig ist: Die Kollegen mögen Sensibilität für die eigene Gesundheit entwickeln.
Hilfe zur Selbsthilfe bietet der Lehrerverband unter www.thueringer-lehrerforum.de; 40 Berater sind hier gemeldet.
 17/05 2006: Was im Schulalltag die Lehrer stresst
18,4 Prozent aller Thüringer Lehrer haben Auskunft gegeben. Zwei Drittel von ihnen fühlen sich ausgebrannt, resigniert, überfordert, so das jetzt vorliegende Ergebnis einer Studie des Thüringer Lehrerverbandes tlv mit der Universität Potsdam.
Von Angelika Reiser-Fischer
Thüringen. Zufrieden, belastbar, beruflich engagiert mit nur geringer Einschränkung des Wohlbefindens fühlen sich in Thüringen 35 Prozent der Lehrer, bundesweit sind es weniger, 30 Prozent. In den Risikogruppen liegen die Thüringer indes über dem Bundesdurchschnitt. Die detaillierten Auskünfte der Lehrer geben vielerlei Einblicke. S erwies sich nach der Auswertung von 4949 Fragebögen: Lehrerinnen bewältigen Belastungen weit schlechter als ihre Kollegen. Aber ganz gleich, ob verbeamtet oder angestellt, in Teilzeit oder nicht, an Stadt- oder Landschule, alle Lehrer fühlen sich vom Schulalltag gleich genervt. Nach Schularten sortiert, fühlen sich Grundschullehrer am schlechtesten. Was eigentlich schafft sie so? Eltern, die sie vermeintlich nicht richtig unterstützen. Zu wenige und uneffektive Fortbildungen. Schüler, die nicht lernen wollen. Pausen, die selten ungestört sind. Stress mit der Arbeit, die daheim für die Schule zu erledigen ist. Das führte die Hitliste aus 70 Punkten an. Und was finden sie gut an ihrer Schule? Das Klima im Kollegium. Dass es genug geeignete Klassenzimmer gibt, Unterrichtsstunden im Zeitumfang verkraftbar, die Klassen nicht zu groß sind, damit waren viele recht zufrieden. Das mag manchen überraschen. Dennoch, der tlv verlangt, Schulbehörden, Kommunen, Psychologen, sollten Lehrer künftig besser unterstützen. Das Land soll prüfen, was Neuerungen vergangener Jahre wie Kopfnoten, Kompetenzbögen, Seminarfacharbeiten gebracht haben, so tlv-Chef Rolf Busch. Um dann die Belastung zu reduzieren. SPD und Linkspartei stimmten zu. Die Lehrer sollten vor allem von Verwaltungsaufgaben entlastet werden.
 Mehr Unterstützung für die Lehrer
Studie: Fortbildungsangebote schlecht
Erfurt. (dpa/tlz) Nach der Vorlage einer Studie zur Lehrergesundheit in Thüringen hat der Lehrerverband mehr Unterstützung von Eltern, Psychologen, Schulbehörden und Kommunalpolitikern gefordert. Die Ergebnisse der Befragung von knapp 5000 der 26000 Lehrer müssten zu einem Umdenken führen, sagte Rolf Busch. „Es darf nicht weiterhin aus jedem ungelösten Problem nur ein neuer Auftrag für die Schulen werden.“ Viele Lehrer sind laut Studie unzufrieden und stehen unter starker psychosozialer Anspannung (TLZ berichtete).
Der Lehrerverband verlangte zudem eine Überprüfung von Neuerungen wie Kopfnoten, Kompetenztests oder Schulbuchgeld auf ihre Wirksamkeit. Am schlechtesten unter 70 abgefragten Bedingungen für einen guten Unterricht bewerteten die Lehrer aller Schularten die Fortbildungsangebote. Damit könnten sie sich nur ungenügend gegen Belastungen wappnen, hieß es. Laut Kultusministerium gibt es vielfältige Weiterbildungen zu Lehrergesundheit, Stressbewältigung oder Zeitmanagement.
Manch andere verbreitete Meinungen konnte die Studie widerlegen, sagte Busch. So bewerteten die Lehrer den Unterricht im Zeitumfang als gut verkraftbar, die Klassenstärken seien angemessen. Vertretungsstunden würden gerecht und transparent verteilt.
An der Untersuchung hatten sich Lehrer von rund 400 Thüringer Schulen beteiligt. An 60 Schulen füllten mehr als 80 Prozent der Lehrer die Fragebögen aus.
 17/05 2006: Verband fordert mehr Hilfe für Lehrer
ERFURT – Nach der Vorlage einer Studie zur Lehrergesundheit in Thüringen hat der Lehrerverband mehr Unterstützung von Eltern, Psychologen, Schulbehörden und Kommunalpolitikern gefordert. Die Ergebnisse der Befragung von knapp 5000 der 26000 Lehrer müssten zu einem Umdenken führen, sagte Vorsitzender Rolf Busch gestern in Erfurt. „Es darf nicht weiterhin aus jedem ungelösten Problem nur ein neuer Auftrag für die Schulen werden.“ Viele Lehrer sind laut Studie unzufrieden und stehen unter starker psychosozialer Anspannung. Der Lehrerverband verlangte zudem eine Überprüfung von Neuerungen wie Kopfnoten, Kompetenztests oder Schulbuchgeld auf ihre Wirksamkeit. Am schlechtesten unter 70 abgefragten Bedingungen für einen guten Unterricht bewerteten die Lehrer aller Schularten die Fortbildungsangebote. Damit könnten sie sich nur ungenügend gegen Belastungen wappnen, hieß es. Laut Kultusministerium gibt es vielfältige Weiterbildungen zu Lehrergesundheit, Stressbewältigung oder Zeitmanagement. Manch andere verbreitete Meinungen konnte die Studie widerlegen, sagte Busch. So bewerteten die Lehrer den Unterricht im Zeitumfang als gut verkraftbar, die Klassenstärken seien angemessen. Vertretungsstunden würden gerecht und transparent verteilt. Die Opposition im Thüringer Landtag fordert deutlich mehr Unterstützung für die Thüringer Lehrer. (dpa)
 17/05 2006: STZ Artikel: Lehrerstudie
Zwei von drei Lehrern überfordern sich oder haben resigniert
VON STZ-KORRESPONDENT GEORG GRÜNEWALD
Der Lehrerberuf birgt Gesundheitsrisiken. Das vermutet der Thüringer Lehrerverband (TLV) schon lange. Jetzt hat er es schwarz auf weiß – als Ergebnis einer Studie, an der sich 5000 Lehrer im Freistaat beteiligt haben. Aber nicht alle Vermutungen werden darin gestützt.
ERFURT – So wünschen sich die Wissenschaftler der Universität Potsdam und der TLV die Lehrer: Engagiert, belastbar und zufrieden im Beruf. Typ „G“ wäre das in der Studie. „G" wie Gesundheit.
Nur: Typ „G“ komme in Thüringen recht selten vor, haben die Wissenschaftler um Professor Uwe Schaarschmidt festgestellt. Gerade mal jeden sechsten Lehrer (16 Prozent) ordnen sie in dieser Kategorie ein – nach der Auswertung der achtseitigen Fragenkataloge, die die Lehrer beantwortet haben. Unter den Lehrerinnen gelten gar nur 14 Prozent als Typ „G“.
Stattdessen dominiert das Risikomuster „A“: Gesundheitsgefährdung durch Selbstüberforderung. Mehr als jeder dritte Lehrer (37 Prozent) – und deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt fällt in der Studie in diese Kategorie, die gekennzeichnet ist durch exzessive Verausgabung, Vernachlässigung von Erholung und Entspannung, Einschränkung der Belastbarkeit und Zufriedenheit sowie der Gefahr des Ausbrennens. Burn-Out-Syndrom heißt Letzteres bei den Experten. In der Studie firmiert es unter Risikomuster „B“: Gesundheitsgefährdung durch Resignation. Typ-B-Lehrer haben ihr Engagement reduziert, ohne sich dadurch erholen zu können, sie sind unzufrieden, fühlen sich niedergeschlagen und verzweifelt und haben ein eingeschränktes Selbstwertgefühl. 28 Prozent der Thüringer Lehrer sind laut Studie davon betroffen.
Womit zwei von drei Thüringer Lehrern unter die Gesundheitsrisiko-Typen „A“ und „B“ fallen. Und zwar nahezu unabhängig davon, ob es sich um verbeamtete oder angestellte Lehrer handelt, ob es Vollzeit- oder Teilzeitlehrer sind, oder ob sie in der Stadt oder auf dem Land unterrichten.
Die Konsequenz? Ein Umdenken in der Gesellschaft sei nötig, meint TLV-Vorsitzender Rolf Busch. Es dürfe nicht weiterhin aus „jedem ungelösten Problem nur ein neuer Auftrag für die Schulen werden“. Konkret fordert er, Lehrer müssten besser unterstützt werden. Von Eltern, Psychologen, Sozialarbeitern, der Jugendfürsorge, der übergeordneten Schulbehörden und der Kommunalpolitik. Einen Psychologen pro Schulamtsbezirk gebe es derzeit, drei bis vier seien nötig, um den Bedarf abzudecken, nennt Busch ein Beispiel. Auch die Schulsozialarbeit sei zurückgefahren worden, aber man brauche mehr Sozialarbeiter. Auch die Neuerungen der vergangenen Jahre wie Kopfnoten, Kompetenzbögen und Schulbuchpauschale sollten überprüft werden, meint Busch. Und die Fortbildung müsse sich quantitativ und qualitativ bessern. Speziell Belastungsbewältigung und erzieherische Kompetenz der Lehrer müssten weiter- entwickelt werden.
Geschuldet sind die Forderungen auch einem zweiten Teil der Studie. Der bewertet die Zufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen. Die Ergebnisse: Die Lehrer vermissen vor allem die Unterstützung durch interne und externe Kräfte. Und: Unter 70 Einzelpunkten beurteilen die Lehrer besonders negativ, dass die Fähigkeit zur erfolgreichen Belastungsbewältigung in der Fortbildung zu wenig gefördert werde.
Dagegen bewerten die Lehrer den Zeitumfang als gut verkraftbar und die Klassenstärken als angemessen. Deshalb muss auch der TLV umdenken. In seinen Forderungen, wie Busch einräumt. Zumal auch der Vergleich Teilzeit – Vollzeit belege, dass die Belastungsprobleme wohl nicht auf die Stundenzahlen zurückzuführen sind. Denn Teilzeitlehrern fallen häufiger unter den Risikokategorien „A“ und „B“.
Die Wirkung hat die Studie trotzdem nicht verfehlt. Zumindest bei der Opposition. „Das Kultusministerium muss die Lehrer endlich spürbar entlasten, anstatt ihnen ständig neue Verwaltungsaufgaben aufzubürden“, forderte gestern SPD-Bildungsexperte Hans-Jürgen Döring.
Und PDS-Bildungspolitikerin Michaele Reimann erklärte: „Die Schulen dürfen nicht allein gelassen werden bei der Bewältigung der Probleme.“ So ähnlich hat es auch Busch formuliert.
 17/05 2006: OTZ Artikel: Lehrerverband fordert mehr Unterstützung
Wegen hoher Belastung sollen sich Eltern, Behörden und Politiker intensiver einbringen
Erfurt (dpa/OTZ). Nach einer Studie zur Lehrergesundheit in Thüringen hat der Lehrerverband mehr Unterstützung von Eltern, Psychologen, Schulbehörden und Kommunalpolitikern gefordert.
Die Ergebnisse der Befragung von knapp 5000 der 26 000 Lehrer müssten zu einem Umdenken führen, sagte Vorsitzender Rolf Busch gestern in Erfurt. "Es darf nicht weiterhin aus jedem ungelösten Problem nur ein neuer Auftrag für die Schulen werden." Viele Lehrer sind laut Studie unzufrieden und stehen unter starker psychosozialer Anspannung. Der Verband verlangte zudem eine Überprüfung von Neuerungen wie Kopfnoten, Kompetenztests oder Schulbuchgeld auf ihre Wirksamkeit. Am schlechtesten unter 70 abgefragten Bedingungen für einen guten Unterricht bewerteten die Lehrer aller Schularten die Fortbildungsangebote. Laut Kultusministerium gibt es vielfältige Weiterbildungen zu Lehrergesundheit, Stressbewältigung oder Zeitmanagement. Manch andere verbreitete Meinungen konnte die Studie widerlegen, sagte Busch. So bewerteten die Lehrer den Unterricht im Zeitumfang als gut verkraftbar, die Klassenstärken seien angemessen. Vertretungsstunden würden gerecht verteilt.
Rückendeckung erhielten die Lehrer von der Thüringer SPD. Hans-Jürgen Döring, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, bezeichnete die Studie besorgniserregend. Das Kultusministerium müsse die Lehrer endlich spürbar entlasten, anstatt ihnen auch noch ständig neue Verwaltungsaufgaben aufzubürden. Als ein Beispiel nannte er die Erhebung des neuen Büchergeldes durch die Lehrer. Auch die PDS-Fraktion kritisierte, dass das Land den Lehrern immer mehr unterrichtsfremde Aufgaben aufbürde.
 16/05 2006: Nach Lehrerstudie: Verband will mehr Unterstützung und Fortbildung
Erfurt (dpa/th) - Nach einer Studie zur Lehrergesundheit in Thüringen hat der Lehrerverband mehr Unterstützung von Eltern, Psychologen, Schulbehörden und Kommunalpolitikern gefordert. Die Ergebnisse der Befragung von knapp 5000 der 26 000 Lehrer müssten zu einem Umdenken führen, sagte Vorsitzender Rolf Busch am Dienstag in Erfurt. »Es darf nicht weiterhin aus jedem ungelösten Problem nur ein neuer Auftrag für die Schulen werden.« Viele Lehrer sind laut Studie unzufrieden und stehen unter starker psychosozialer Anspannung.
Quelle:dpa unter tlz.de
 16/05 2006: Lehrer häufig durch Arbeit krank 
Thüringens Lehrer werden durch ihre Arbeit häufig stark belastet. Das geht aus einer Befragung von rund 5.000 Pädagogen hervor. Nach Angaben des Thüringer Lehrerverbandes sind rund zwei Drittel der Lehrer in ihrer Gesundheit gefährdet. Sie seien mit ihren Arbeitsbedingungen unzufrieden und würden unter starker Anspannung stehen. Ein weiteres Fünftel der Lehrer habe bereits resigniert und würde sich beruflich weniger engagieren. Der Lehrerverband fordert daher unter anderem eine stärkere Unterstützung durch die Eltern.
Quelle: MDR 1 RADIO THÜRINGEN
 13/05 2006: TLZ-Titelseite: Gesundheits-Risiko bei Lehrern hoch
Zwei von drei sind entweder überengagiert oder ausgebrannt
Von Hartmut Kaczmarek
Erfurt. (tlz) Thüringens Lehrer leben mit einem hohen Gesundheitsrisiko. Fast zwei Drittel von ihnen zählen zu den so genannten Risikogruppen, ergab jetzt eine Untersuchung des Thüringer Lehrerverbandes. Der Verband will die exakten Ergebnisse in der kommenden Woche präsentieren. An erster Stelle der Belastungskritierien steht dabei der Umgang mit schwierigen Schülern.
In der Untersuchung wurde nach zwei Risikogruppen unterscheiden: Typ A ist derjenige, der voll Power seinen Beruf ausübt, der zu seiner Tätigkeit eine nur geringe Distanz hat und bei dem ein Abschalten unmöglich ist. Typ B ist der Pädagoge, der unter dem so genannten Burn-Out-Syndrom leidet und ausgebrannt und ohne große Initiativen seinem Beruf nachgeht. Beide Gruppen sind prinzipiell auch in erhöhter Gefahr krank zu werden. Frauen zählen dabei noch eher zu den Risikogruppen als Männer.
Der Thüringer Lehrerverband hat das Thema Lehrergesundheit schon seit Monaten thematisiert. Vorsitzender Rolf Busch verwies auf die regionalen Lehrergesundheitstage der vergangenen Monate. "Wir sind derzeit auf dem Weg, das Bewusstsein zu schärfen", so Busch. Als einen Erfolg bewertet es Busch, dass sich annähernd 5000Thüringer Pädagogen an der Umfrage beteiligt haben. Als das größte Problem der Thüringer Lehrer bezeichnete es Busch, dass sie sich zu oft allein gelassen fühlten.
 13/05 2006: TLZ-Artikel: Lehrer fühlen sich oft allein gelassen
Viele Pädagogen in Risikogruppen
Von Hartmut Kaczmarek
Erfurt. (tlz) Die verschlossenen Umschläge enthalten brisante Angaben. Thüringer Lehrer gaben Selbsteinschätzungen ihres Gesundheitszustandes ab. Der Thüringer Lehrerverband hat diese Umfrage gestartet. Teilnahme natürlich freiwillig und anonym. An einer Schule registrierte die Sekretärin aber, wer die Umschläge für den Verband im Sekretariat hinterlegt. „Sie können sich vorstellen, dass die Beteiligung an dieser Schule sich in Grenzen gehalten hat“, sagt Rolf Busch, der Vorsitzende des Lehrerverbandes.
Sensationelle 5000 Rückläufe sorgen dafür, dass sich die beteiligten Wissenschaftler erstmals ein ziemlich genaues Bild darüber machen können, was die Lehrer in Thüringen bedrückt. Es ist fast jeder fünfte Lehrer, der sich den Fragen zu seinem Gesundheitszustand nicht entzog. „Wenn ich die Zahl auf Kongressen nenne, werde ich immer ganz erstaunt angeschaut“, so Busch. Denn für den Rest des Bundesgebietes stützen sich die Forscher gerade einmal auf Rückläufe von einigen hundert bis wenigen tausend pro Land.
Die Datenbasis ist also in Ordnung, wenn Busch jetzt über deren Interpretation brütet. Und für ihn zeichnet sich schon vor der Veröffentlichung der endgültigen Ergebnisse in der kommenden Woche eines ab: Mehr als 60 Prozent der Thüringer Lehrer gehören nach dieser Selbsteinschätzung in die beiden von den Wissenschaftlern aufgestellten Risikogruppen. Die einen, die A-Gruppe, zeichnet sich dadurch aus, dass die dort erfassten Pädagogen überengagiert sind. Sie stecken voller Power, können aber auch nicht Abschalten und beschäftigen sich Tag und nacht mit dem, was sie in der Schule bedrückt. Die zweite Gruppe, die Gruppe B, das sind die Ausgepowerten, die Ausgebrannten, die sich im Schuldienst verzehrt haben, die keine Initiative mehr entwickeln, weil sie keine Idee mehr haben. Beide Gruppen sind arg krankheitsgefährdet.
Dann gibt es noch bei der Bewertung die G-Gruppe, das sind die ganz Gesunden, die Ausgeglichenen. Und es gibt noch die S-Gruppe. Das sind diejenigen, die sich selbst schonen, mit dem Beruf aber zufrieden sind, aber wenig auffällig an der Schule, weder im positiven noch im negativen Sinn.
Die Thüringer Lehrer leiden am meisten unter dem, was Busch schon seit längerem beklagt: Sie haben das Gefühl, allein gelassen zu werden mit ihren Problemen und Sorgen, mit ihren schwierigen Schülern, auf wenig Verständnis in der Gesellschaft zu stoßen. Hier würde sich Busch ein Netzwerk wünschen, das von Polizei und Staatsanwaltschaft über Jugendämter bis hin zu Jugendberatungsstellen reicht. Überforderung mit immer neuen Verordnungen ist eine weitere Ursache für die Lehrer-Belastung im Land.

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