04/12 2007:
tlv: Pisa 2006 nicht einseitig betrachten

 

Studie liefert keine einfachen Antworten

 

Erfurt – Die heute vorgestellten Ergebnisse der Studie führen bei den politisch Verantwortlichen in Thüringen wieder zu den vorhersagbaren und reflexartigen Reaktionen, die keinesfalls zur Veränderung oder gar zur Verbesserung beitragen können. „Die Regierung lobt sich wieder selbst und hat wirklich alles richtig gemacht und die Opposition sieht die Generalkritik bis in den letzten Punkt bestätigt“, ärgert sich der tlv Landesvorsitzende Rolf Busch über das immer wieder gleich ablaufende Prozedere.

 

Bei der ersten Durchsicht des umfangreichen Materials der neuen Studie und dem Vergleich der Äußerungen aus der Politik stellt man ganz schnell fest, dass selektives Lesen nicht heißen darf, ich lese und erkenne nur die Botschaften, die meine schon vorher bestehende Meinung begründen. Exemplarisch bestätigen dies die gegensätzlichen Aussagen zur Notwendigkeit der Veränderung von Schulstrukturen und dem Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg. Auch die Ergebnisse dieser Studie müssen deshalb im Ganzen betrachtet werden und führen beim tlv kurz nach Bekanntgabe dieser nur zu den folgenden Erkenntnissen:

 

1. Reformen in Schulen wirken in langen Zeiträumen und sind innerhalb einer Legislatur kaum messbar.

 

2. Die geringen Veränderungen bei den Ergebnissen sind nicht als solides Indiz für den einzig richtigen Weg verwertbar.

 

3. Alle politisch Verantwortlichen auf Regierungsseite und bei der Opposition müssen ehrlich alle Ergebnisse in den richtigen Kontext stellen und nicht einfach Teilaussagen als Beleg für die eigene Position werten.

 

4. Auch PISA 2006 misst den Erfolg eines Bildungswesens fast ausschließlich an den Ergebnissen beim Lesen, der Mathematik und den Naturwissenschaften. Andere Fachbereiche und der dringend notwendige Zusammenhang zur Erziehung werden wieder ausgeblendet.

 

Die Ergebnisse sind wichtig für weitere Verbesserungen in diesen Bereichen. Einseitige Schlüsse aus den Studien lenken aber von vielen Schwierigkeiten ab, die wir Pädagogen täglich zu meistern haben. Ein ganzheitlicher Blick auf die Veränderungen bei Bildung und Erziehung ist notwendiger denn je.

 

Pressedienst

 

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