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Kompetenznetzwerk Schule


23/01 2009:
Unter die Räder gekommen

Schulsport wird in Thüringen hoch gehalten - nur hapert er an allen Ecken und Enden

 

Von OTZ-Redakteur Frank Kalla

 

Wenn es um die Bedeutung des Schulsports geht, sind sich alle einig: Das Kultusministerium, der Landesportbund Thüringen, die Lehrerschaft und natürlich die Parteien.

 

Schulsport, so heißt es da beispielsweise im Vorfeld des heute beginnenden "Jahr des Schulsports" im Freistaat aus dem Kultusministerium, ist immens wichtig für Kinder und Jugendliche. Die Schüler brauchen Bewegung, Sport und Spiel. Dieser Aussage schließt sich auch der Landessportbund an. Immerhin 10 bis 15 Prozent der deutschen Kinder sind übergewichtig.

 

Uneinig ist man sich indes über die Gründe, warum Schulsport offensichtlich immer weniger seinem Ziel gerecht wird: Dass möglichst alle Kinder und Jugendliche regelmäßig Sport treiben. Von Defiziten ist da die Rede, von mangelnder Zusammenarbeit, von falschen Konzepten und vom Sparen am falschen Platz. Ergebnis unterm Strich: Der Schulsport in Thüringen ist unter die Räder gekommen, obwohl alle um eine Verbesserung kämpfen.

 

Rolf Busch, Chef des Thüringer Lehrerverbandes (tlv), sieht in der Konzentration auf die harten Fächer wie Mathe, Biologie oder Deutsch einen wesentlichen Grund, warum der Schulsport am Boden liegt. "Pisa- oder Iglu-Ergebnisse im Ländervergleich gehen vor. Damit sind die anderen Fächer - auch der Sport - in den Hintergrund gedrängt worden", beschreibt Busch die Misere aus seiner Sicht. Seine Forderung: Wenn man die gravierenden Folgen von Bewegungsarmut und Fehlernährung bei den Kindern und Jugendlichen in den Griff bekommen will, müsse auch die Schule einen größeren Beitrag über den Schulsport leisten und mehr an die Generation "XXL" denken. An Lehrern dürfte es jedenfalls nicht mangeln, meint Busch mit Blick auf die von Gerichten gekippte Teilzeitverbeamtung, wonach wieder mehr Lehrer in Vollzeitbeschäftigung sind.

 

Dennoch: Obwohl in der Regel drei Stunden Sport an den Schulen vorgesehen sind, ist die Zahl der ausgefallenen Stunden hoch. 1926 Stunden pro Woche fielen im November 2008 an den staatlichen allgemeinbildenden Schulen aus, wie Ministeriumssprecher Gregor Hermann einräumte. Ursache seien neben hohen Krankenständen auch Weiterbildungen gewesen.

 

Beim Landessportbund vermisst man hingegen die engere Zusammenarbeit von Schulen und Sportvereinen. An den Schulen müsse endlich ein von Fachleuten realisierter und auch Leistung abfordernder Sportunterricht stattfinden, sagt Rolf Beilschmidt, Hauptgeschäftsführer des Landessportbundes (LSB). Engere Bindungen würden es dann auch ermöglichen, dass die oftmals parallel nebeneinander wirkenden Systeme Schule und Sport zum Wohle der Gesundheit der Kinder gemeinsam in eine Richtung agieren.

 

Birgit Pelke, sportpolitische Sprecherin der SDP-Landtagsfraktion, macht auch den Investitionsstau dafür verantwortlich, warum der Schulsport an einigen Schulen ein Nischendasein fristet. So seien die Investitionen in Schulgebäude und damit auch in Turnhallen von 40 Euro pro Kopf in 2004 auf 29 Euro im Jahr 2007 gesunken. Gerade weil immer noch viele Turnhallen marode oder wegen Schulfusionen um- und ausgebaut werden müssen, fordert ihre Fraktion Investitionen von 40 Millionen Euro in die Substanz. Das Geld sieht sie trotz rückläufiger Schülerzahlen gut angelegt: "Manche Vereine haben Mühe, eine Turnhalle für ihre sportlichen Aktivitäten stundenweise nutzen zu können." LSB-Sprecher Hendrik Neukirchner kann dem nur zustimmen. Bei den Thüringer Sportstätten bestünde immer noch ein Investitionsbedarf bis zu einer Milliarde Euro.

 

22.01.2009

 


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Letzte Änderung: 23.01.2009 RSS    | Seite empfehlen | Druckansicht | pdf-Ansicht | Impressum