18/10 2011: Radikaldiät statt sinnvoller Verschlankung - tlv betrachtet Schulamtsreform mit großer Sorge
Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Nur noch 5 statt 11 Schulämter soll es ab Sommer 2012 in Thüringen geben, angesiedelt in Weimar, Leinefeld-Worbis, Gera, Suhl und Gotha. Der tlv thüringer lehrerverband betrachtet die Entwicklung mit Skepsis und Sorge.
"Mit dieser Schulamtsstruktur wird eine Vielzahl von Referentenstellen wegfallen, wobei Aufgaben natürlich nicht reduziert werden. Ein Referent für 50 bis 100 Schulen ist traurige Spitze." sagt Bernd Fröhlich, der stellvertretende tlv Landesvorsitzende zur heutigen Veröffentlichung der beabsichtigten Neustrukturierung der Staatlichen Schulämter.
Wie man bei einer derartigen Verschlankung der Verwaltung von effektiver Schulaufsicht sprechen kann, bleibt ein Rätsel. Mit dem Argument der Kostenreduzierung verabschiedet sich das Bildungsministerium von der gewünschten Zielvorstellung, eine Schulaufsicht im Dialog zwischen Referenten und Schulen zu führen. Wie soll dieser Dialog aussehen, wenn ein Referent für bis zu 100 Schulen zuständig ist? Vielmehr erlaubt die geplante Struktur den "ungehinderten Durchgriff" von ganz oben auf jede einzelne Schule.
Ein weiteres Problem ergibt sich für die Arbeit der Arbeitnehmervertretungen. Die Zahl der Schulämter wird radikal reduziert. Die Obergrenze von 17 Mitgliedern in den Bezirkspersonalräten soll jedoch bestehen bleiben. "Damit wird eine effektive Arbeit der Personalräte im Interesse der Beschäftigten deutlich eingeschränkt.
Mit der Neustrukturierung der Schulämter muss auch eine entsprechende Anpassung des Thüringer Personalvertretungsgesetzes (ThürPersVG) einhergehen", fordert Bernd Fröhlich.
Zurzeit ist eine entsprechende Anpassung im Gesetzestext nicht vorgesehen.
Druckausgabe

|