„Ein klarer Arbeitsauftrag an die Landesregierung“

Landeshauptvorstand des tlv verabschiedet Erklärung

Eyba, 02.03.2019 – Der Landeshauptvorstand des tlv thüringer lehrerverband hat im Rahmen seiner Klausurtagung in Eyba am 2. März eine Erklärung verabschiedet. Darin bezieht das zweithöchste Gremium des tlv Stellung zur aktuellen Diskussion um die Novelle des Thüringer Schulgesetzes.

„Unsere Erklärung ist ein klarer Arbeitsauftrag an die Landesregierung“, fasst der tlv-Landesvorsitzende Rolf Busch den Inhalt zusammen. „Denn so, wie das neue Schulgesetz momentan gedacht ist, geht es völlig vorbei am tatsächlichen Bedarf an unseren Schulen.“ Er hoffe daher, so Busch weiter, „dass die Politik zur Vernunft kommt, bevor es zu spät ist.“

Eybaer Erklärung

des tlv thüringer lehrerverband

Riesige Klassen, weitere Wege, leere Förderschulen, überforderte und erschöpfte Lehrer – und dabei kein bisschen weniger Unterrichtsausfall: Das ist nach unserer Überzeugung das Szenario, das den Schulen in Thüringen droht, wenn das geplante neue Schulgesetz so umgesetzt wird, wie es momentan angedacht ist.

Die in den zwei Tagen unserer Klausur intensiv geführte Diskussion unter den 35 Mitgliedern des tlv-Landeshauptvorstands hat das in unserer Umfrage aufgezeigte Stimmungsbild in den Schulen bekräftigt. Dort war unter anderem deutlich geworden: 67 Prozent der Befragten glauben nicht, dass die anvisierten Kooperationsmodelle zu einer Reduzierung des Unterrichtsausfalls führen werden. 90 Prozent denken, dass sie zudem auch keine Entlastung für die Lehrer mit sich bringen. 84 Prozent sind der Meinung, dass der Gesetzesentwurf nicht zur Verbesserung der Lehrergesundheit betragen wird.

Insgesamt sind die Kollegen mehrheitlich der Meinung, dass das neue Gesetz keine Ansätze zur Lösung unserer dringendsten Probleme bietet. Inklusion, Integration, Gewaltprävention, Senkung der Langzeit-Krankenstände – und damit schlussendlich die Verringerung des Unterrichtsausfalls – können nur dann gelingen, wenn die notwendigen Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden.

Hierfür bietet der Schulgesetzentwurf in seiner jetzigen Form keine ausreichende Grundlage. Er löst die Frage nach den aus unserer Sicht unverzichtbaren multiprofessionellen Teams nicht. Darüber hinaus sind die angestrebten Kooperationsmodelle ungeeignet, um das langfristig verursachte und inzwischen massive Personalproblem an den Schulen zu lösen.

Wir appellieren deshalb an die Landesregierung, die jetzige Fassung der Schulgesetznovelle unbedingt gründlich zu überarbeiten und dabei die Bedenken der Betroffenen konstruktiv aufzunehmen und umzusetzen. Der Wunsch, noch vor den Wahlen im Herbst ein unausgegorenes Gesetz durchzupeitschen, darf nicht die treibende Kraft hinter der Verabschiedung sein. Sonst werden alle an Bildung Beteiligten in den kommenden Jahren einen hohen Preis für den Aktionismus der Politik zahlen.

 

Rolf Busch                                                                Eyba, am 2. März 2019
Landesvorsitzender des tlv thüringer lehrerverband
für den Landeshauptvorstand

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