Gespräch mit Minister Holter
am 15. Juni

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
nach mehr als zwei Wochen Pause gab es gestern Nachmittag wieder eine Telefonkonferenz, an der Kultusminister Holter, der tlv-Landesvorsitzende Rolf Busch und die GEW-Landesvorsitzende Kathrin Vitzthum teilnahmen. Der Anlass dafür liegt auf der Hand – es ging um die Öffnung der Grundschulen zum 15. Juni. Für uns war dabei das wichtigste Anliegen, die Gemütslage zu transportieren, die in den allermeisten betroffenen Schulen vorherrscht. Wir wissen, dass viele von Ihnen stinksauer sind – und das völlig zu recht! Auch wenn es einige Schulen gibt, die glücklicherweise über genügend Raum und Personal verfügen, um ohne erhebliche Gesundheitsrisiken wieder alle Grundschüler gleichzeitig unterrichten und betreuen zu können: Die Regel ist das leider ganz und gar nicht. Für den Großteil der Kolleginnen und Kollegen in den Schulleitungen bedeutet der Beschluss vom 9. Juni die sprichwörtliche Quadratur des Kreises – und zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie bitte bloß keinen, schon gar nicht Ihren Dienstherren!

Fakt ist nun einmal: Vor Pfingsten hat Ministerpräsident Ramelow in den Medien verlautbaren lassen, dass die Grundschulen und KiTas am 15.6. wieder für alle Kinder öffnen. Den entsprechenden Kabinettsbeschluss dazu gab es am Dienstag, dem 9. Juni. Und die Verordnung mit den konkreten Durchführungsbestimmungen erreichte die Schulen am Freitag, dem 12. Juni, um kurz nach 23 Uhr auf elektronischem Wege. Wer also nicht nachts oder am Wochenende seine dienstlichen E-Mails abgerufen hat, fand gestern früh bei Dienstantritt die Liste von Regelungen vor, die bereits in Kraft getreten waren. Optimal gelaufen ist das in der Tat nicht. Auch wenn all jenen, die bis Freitag Nacht im Ministerium an der Verordnung gearbeitet haben, unser aufrichtiger Dank und Respekt gilt. Wir wissen, dass es gerade für niemanden leicht ist, der mit Schule und Bildung zu tun hat.

Inzwischen ist nun der erste Tag nach der „Stunde Null“ geschafft. Vermutlich haben Sie viel Improvisationstalent gebraucht, um alles irgendwie zu managen. Die Eigenverantwortung der Schulen wird ja in diesen Tagen großgeschrieben – bleibt zu hoffen, dass nicht wieder die kurze Leine angelegt wird, sobald das pandemische Chaos halbwegs beherrschbar wird. Um ehrlich zu sein: So schön das neue Vertrauen der Landesregierung in die Fähigkeiten der Schulleitungen ist, ein bisschen mehr Unterstützung wäre schon schön. Zum Beispiel dann, wenn Schulämter am Freitagmittag vor dem entscheidenden Montag ihre Schulen darüber informieren, dass es zwar FFP2-Masken für die Angehörigen der Risikogruppen gibt, diese aber von den Schulen selbst im Schulamt abgeholt werden müssen – natürlich inklusive der entsprechenden Unterweisungen und schriftlichen Bestätigung dieser Unterweisungen für alle Betroffenen. Das sind Details, klar. Aber auch sowas mussten Sie gestern noch „nebenbei“ lösen.

Und vieles ist nach wie vor ungeklärt. In den Bussen sind die festen Schülergruppen nicht einzuhalten. Und es steht noch längst nicht fest, wie das mit den angekündigten Tests laufen soll. Denn abgesehen vom Testmaterial wird ja auch geschultes Personal benötigt, das die Tests durchführt.
Immerhin zwei wichtige Zusagen konnte der Minister uns jedoch machen:

1. Zur Ferienbetreuung in den Sommerferien haben wir die feste Zusage, dass die Schließzeiten, die am Beginn des Schuljahres von der Schulkonferenz beschlossen worden sind, ungeachtet der neuen Situation Bestand haben. Darüber hinaus werden derzeit Möglichkeiten geprüft, wie mit finanzieller Unterstützung durch das Land Thüringen auch externe Anbieter Kinder und Jugendliche in Ferienfreizeiten betreuen können.

2. Außerdem haben wir vom tlv uns eine Art Krisenplan gewünscht, damit im Falle einer auftretenden Infektion jeder in der Schule weiß, welche Maßnahmen in welcher Reihenfolge zu veranlassen sind. Minister Holter hat uns einen solchen Krisenplan zugesagt – dieser soll noch vor den Sommerferien stehen.

Das ist nicht viel, aber es ist ein Anfang. Und wir bleiben weiter am Ball. Sie bitte auch – und bleiben Sie gesund!
Ihr tlv