Notbetreuung muss neu gedacht werden

„Die Forderung von Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund, die Notbetreuung auszuweiten, entspricht sicher dem Wunsch vieler Menschen. Auch wir können diesen sehr gut nachvollziehen, denn die vielen in den Schulen Beschäftigten stehen jetzt ebenfalls vor der Herausforderung, Beruf und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen. Lehrerinnen und Lehrer dürfen momentan auch nur dann die Notbetreuung in Anspruch nehmen, wenn auch der Partner oder die Partnerin einen entsprechenden Beruf ausübt. Die Ausweitung ist daher sinnvoll – aber sie kann von den Schulen schlichtweg nicht auch noch geleistet werden. Hier sollen jetzt Prüfungen, Präsenzunterricht, Notbetreuung, Häusliches Lernen und ab dem 7. Mai individuelle Förderung gestemmt werden – wohlgemerkt in einem System, das schon vor der aktuellen Krise kurz vor dem Kollaps stand. Die räumlichen und personellen Ressourcen reichen schon unter normalen Bedingungen nicht aus, um beispielsweise den Ansprüchen an eine funktionierende inklusive Schule gerecht zu werden. Wer glaubt, dass jetzt problemlos noch weitere Aufgabenfelder hinzugefügt werden können, verkennt einfach die Realität in den Schulen. Die Lehrer und Erzieher können das nicht alles leisten. Wir brauchen deshalb dringend eine Fokussierung auf die Kernaufgaben der Schulen. Wenn wirklich in einem Monat wieder Präsenzunterricht stattfinden soll, muss alles andere, auch die Notbetreuung, neu gedacht und dann möglicherweise auch ausgelagert werden.“

Rolf Busch, Landesvorsitzender, tlv thüringer lehrerverband