„Das Schulgesetz ist so nicht gewollt“

tlv präsentiert Ergebnisse der Schulgesetz-Umfrage

Erfurt, 19.02.2019 – Der Schulgesetzentwurf, den die Landesregierung im Dezember vorgelegt hat, stößt bei vielen Menschen auf Ablehnung. Das zeigt eine Onlineumfrage, die der tlv thüringer lehrerverband Anfang Februar durchführte und deren Ergebnisse er heute Mittag präsentierte.

„Das Schulgesetz ist so nicht gewollt“, resümierte der tlv-Landesvorsitzende Rolf Busch, „auch wenn fast jeder Zweite der von uns Befragten grundsätzlich der Auffassung ist, dass wir ein neues Gesetz brauchen.“ Wie sehr das Thema die Menschen in Thüringen bewege, davon zeuge die starke Beteiligung an der Umfrage, so Busch weiter. „Trotz des Umfangs von 29 Fragen haben fast 800 Teilnehmer den Fragebogen komplett bearbeitet. Das Thema brennt den Leuten unter den Nägeln.“

Keine Verbesserungen in Sicht

Frank Fritze, stellvertretender Landesvorsitzender, stellte die Ergebnisse der Onlineumfrage im Detail vor. „Die Vorgaben für Schul- und Klassengrößen führen aus Sicht der Mehrheit der Befragten nicht zu einer Stärkung der Schulen“, konstatierte er. So seien jeweils rund zwei Drittel der Befragten der Ansicht, dass Grund- und Regelschulen nicht davon profitieren würden. Für die Förderschulen lag der Anteil derer, die mit „eher nein“ oder „nein“ antworteten, sogar bei 76 Prozent.

Auch die angestrebten Kooperationsmodelle werden aus Sicht der Befragten keine Verbesserungen bringen. „Zwei Drittel der Umfrageteilnehmer denken nicht, dass dadurch weniger Unterricht ausfallen wird“, erklärte Fritze. „Und überwältigende 90 Prozent sind der Ansicht, dass es nicht zu einer Entlastung für die Lehrpersonen kommen wird. Dass die Kooperationsmodelle zum Erhalt kleiner Schulen beitragen können, glaubt hingegen nur jeder Vierte.“

Ähnlich vernichtend falle das Urteil für den Inklusionsansatz des Gesetzesentwurfs aus, so der stellvertretende tlv-Vorsitzende weiter. „Drei Viertel denken, dass das Gesetz in dieser Form keine besseren Bedingungen zum Gelingen der Inklusion schafft. Dass eine Weiternutzung der Förderschulen als schülerlose Beratungszentren einen Beitrag zur Inklusion leistet, bezweifeln 87 Prozent der Teilnehmer.“

Insgesamt ungenügend

Am Schluss der Umfrage, erklärte Fritze, seien die Teilnehmer noch einmal nach ihrem Gesamturteil befragt worden. „Der Entwurf ist ganz klar durchgefallen. 68 Prozent finden, dass er keine ausreichende Grundlage für die Lösung der dringenden Probleme im Thüringer Schulwesen schafft. 84 Prozent denken, das Gesetz wird in dieser Form nicht dazu führen, dass wir weniger langzeiterkrankte Lehrer haben. 69 Prozent verneinen, dass weniger Unterricht ausfallen wird. Und 76 Prozent urteilen abschließend, dass der Gesetzesentwurf den im Vorfeld geäußerten Ansprüchen an ein modernes Bildungsgesetz nicht gerecht wird. In der Schule würden wir deshalb sagen: Thema verfehlt – ungenügend.“

tlv Pressemeldung

Presseschau