Liebe Kolleginnen und Kollegen,

zehn Jahre sind vergangen, seitdem die Potsdamer Studie aufdeckte, wie erschreckend schlecht es um die Lehrergesundheit in Deutschland bestellt ist. Damals gelang es uns, das Thema in den Fokus der Aufmerksamkeit zu rücken und für die vielen betroffenen Kollegen erstmals so etwas wie eine Lobby zu schaffen.

Die wichtige Erkenntnis, dass unzählige Lehrer permanent am Limit arbeiten und dass der Lehrerberuf ohnehin mit einer vergleichsweise hohen gesundheitlichen Gefährdung einhergeht, sorgte für Aufmerksamkeit. Aufdeckte. Gelang. Sorgte. Die Vergangenheitsform ist in diesem Falle leider mehr als die grammatisch korrekte Variante der Verben. Denn obwohl die Potsdamer Einsichten inzwischen ein Jahrzehnt alt sind, hat sich an der Situation der Lehrer bis heute wenig bis gar nichts geändert.

Ich brauche Ihnen nicht zu erzählen, dass das Personal – trotz der jetzt angekündigten Aktionen der Landesregierung – nach wie vor knapp ist. Ich würde Eulen nach Athen tragen, wenn ich Ihnen berichtete, dass der Anteil an Langzeiterkrankten seit Jahren kontinuierlich zunimmt, was selbstverständlich auch mit dem zunehmenden Anteil an älteren Kollegen zusammenhängt. Ebenso wissen Sie aus eigenem schmerzlichem Erleben, dass die immer öfter offen gezeigte Gewalt an unseren Schulen nicht zu einer Verbesserung der Lehrergesundheit beiträgt.

Gleiches gilt für die steigenden Anforderungen, die Themen wie Inklusion und Integration mit sich bringen – beides Aufgabenfelder, für die Sie nicht ausgebildet wurden und in denen es aber allerorts an qualifiziertem zusätzlichem Personal mangelt. Erst seit wenigen Wochen zeichnen sich einige kleine Hoffnungsschimmer als zarte Linien am Horizont ab.

So wird die Wiedereinführung der Verbeamtung hoffentlich dafür sorgen, dass Sie sich weniger Gedanken um Ihre Zukunft machen müssen. Das Thema Inklusion ist endlich stärker im Fokus, wofür auch der im Mai in die Kinos kommende, sehr sehenswerte Dokumentarfilm Ich.Du.Inklusion. (vorgestellt auf Seite 19/20) ein Indiz ist. Der Gedanke, Schulgesundheitsfachkräfte einzustellen, wird inzwischen ernsthaft diskutiert. Und dennoch ist die Situation nach wie vor alles andere als zufriedenstellend. Wir werden uns deshalb weiterhin dafür stark machen, dass der Staat, für den Sie arbeiten, Ihr wichtigstes Gut in Zukunft besser schützt: Ihre Gesundheit.

Ihr

Rolf Busch